Mädchen aus der Zukunft und Grillfleisch Latenight

Willkommen zum Outdoorpodcast,

Um den Sommer gebührend zu verabschieden haben sich die Serienrepublikaner in Tobias Garten getroffen um irgendwann einen Longjob vom Grill zu verzehren und vorher leckere Dinge zu trinken und einen kleinen Podcast aufzunehmen. Dem besonderen Anlass entsprechend haben wir uns diesmal ein besonderes Thema herausgepickt. Lars Kokemöller und Nisan Arikan sind begabte Nachwuchsfilmschaffende die mit ihrem Independentfilm Kollektiv “Obsessive Filmmakers” aus wenig Geld faszinierende Filme machen.

Geplant ist demnächst ein neues Projekt (“F60 Kamikaze”) , für das sie derzeit mittels Crowdfunding Geld sammeln. “F60 Kamikaze” wird ein Coming-Of-Age Film, der in deutscher Kleinstadt-Tristesse spielt, für Kleinstadt-Kids und solche, die es mal waren.

Ihr erster Film war “Leon muss sterben”. Und über diesen Film sprechen wir in dieser Ausgabe der Film- und Serienrepublik ausführlich. Unter anderem.. Denn auch der Zustand des Grillfleisches über mehrere Stunden Wartezeit hinweg ist immer wieder Thema! 😉

Worum geht es in dem Film?

Leon ist sterbenskrank. Aber er möchte nicht sterben, daher investiert er seine verbleibende Zeit um eine Maschine zu bauen, mit deren Hilfe er seinen Verstand konservieren kann. 

Was er nicht bedenkt sind die Folgen die die Erschaffung seiner Maschine auf die restliche Welt haben wird. Denn es bleibt nicht dabei, dass nur Leon hochgeladen wird sondern die gesamte Menschheit wird über kurz oder lang mit mehr oder weniger Zwang digitalisiert und in die Cloud hochgeladen.

Einige Rebellen wollen das verhindern und schicken “Aqua” in die Vergangenheit um Leon durch Erschiessen daran zu hindern, die Maschine fertigzustellen. Daraus wird leider nicht, denn Aqua und Leon verlieben sich..

Aus dem Cast verlinkt

Leon muss sterben auf Amazon Video

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Who wants to live forever?!

Science Fiction gibt es in zweierlei Ausprägungen. Die utopische und die dystopische Idee von der Zukunft. Mit Altered Carbon hat Netflix zuletzt eine Produktion der zweiten Art geliefert.

Worum geht es?

Die atemberaubende und detailreiche Welt von Richard K. Morgans erstaunlichem Scifi-Cyberpunk-Roman Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm hat schon seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2002 die Faszination seiner Leser geweckt und den Ruf nach einer potenziellen Verfilmung laut werden lassen. Die Realisierung erwies sich jedoch als schwierig. Erst durch die Zusammenarbeit der Serienschöpferin und ausführenden Produzentin Laeta Kalogridis mit Skydance Television und Netflix mit dem Ziel, Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm mit revolutionären, erzählerisch ambitionierten 10 Folgen umzusetzen, gelang Morgans Epos der Sprung in ein neues Medium.

Das großartige elektronische Fenster.

Dieser Sprung wurde begleitet von spektakulären Produktionswerten, aufwendigen Actionszenen und einer eleganten Struktur, die es ermöglicht, die Figuren so zu entwickeln, wie es die Geschichte verlangt. „Es hatte eine Entwicklung zu kürzeren Staffel im Fernsehen begonnen, die filmischer waren und eine ganz andere Energie mitbrachten“, erklärt Kalogridis. „Und das ermöglichte es uns, eine Geschichte zu entwickeln, die sich tatsächlich wie ein ausgedehnter Film anfühlt.“

Kalogridis – die Drehbuchautorin von Shutter Island, Terminator: Genisys und dem bald erscheinenden Science-Fiction-Film Alita: Battle Angel, und eine Produzentin für White House Down und James Camerons Rekord-Kassenschlager Avatar – Aufbruch nach Pandora – erzählt, dass es ihre Begeisterung für Morgans Geschichte – die 2003 mit dem Philip K. Dick Award als bester Roman ausgezeichnet und vom Autor in zwei weiteren Büchern fortgeführt wurde – und deren Verbindung zu wesentlichen Elementen der menschlichen Erfahrung war, die sie zu ihrer innovativen Verfilmung von Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm inspirierten. Die erste Staffel der groß angelegten Serie folgt im Wesentlichen dem Roman, steht aber auf eigenen Füßen.

Fliegende Unterhaltungshochburgen

„Morgans Roman ist ein so wegweisender Scifi-Text“, beschreibt Kalogridis das Werk, das der Serie als Vorbild dient. „Es handelt sich um eine sehr ernstzunehmende Scifi-Geschichte über eine Technologie, die es ermöglicht, das Leben unendlich zu verlängern. Doch die Geschichte scheut in keinster Weise vor klar identifizierbaren menschlichen Emotionen zurück. Sie hat alles, was großartige Science-Fiction ausmacht, ist aber im Innersten eine sehr menschliche Geschichte. Und sie hat Noir-Elemente, was ich liebe.“

„Außerdem definiert der Roman auf wunderbare Weise das menschliche Verhältnis zu unserer Körperlichkeit neu“, bemerkt Kalogridis. „In der Welt von Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm kann man in irgendeinem Körper leben. Es ist ein faszinierender Gedanke, dass sich die Menschheit über die Jahrmillionen so entwickelt hat, dass man neben seinem Körper existieren kann.“

Poe – Die künstliche Intelligenz des Raven Hotels – Chris Conner

Was denkt die Serienrepublik?

Im Zweiergespann beschäftigen sich Oli und Tim mit der ersten Episode der Serie und den Ideen rund um eine technisch ermöglichte Unsterblichkeit. Wenn man dann schon unendlich leben kann, dann ist es nicht wirklich ein schöner Ort, an den Takeshi Kovacs da kommt, nachdem er “resleeved” wurde. Gibt es eine Seele? Ist sie kopier-/backupbar? Kommt man wirklich in die Hölle, wenn man vom Tod zurückgeholt wird, und sei es nur um seinen Mörder zu benennen? Das sind Fragen die über den reinen Handlungsbogen der Serie hinaus entstehen, und die auch nach einer Stunde gemeinsamen Podcastens noch nicht beantwortet sind.

Altered Carbon ist mit Sicherheit mal wieder ein Diamant im Netflix Angebot. Wir empfehlen allen unseren Hörern, dringend diese aufwühlende Serie zu schauen. Aber auf jeden Fall mit genügend Konzentration und auf keinen Fall nur “nebenbei”.


Bilder: Netflix


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Durch den schwarzen Spiegel

Black Mirror – Das Serienphänomen aus UK

Black Mirror

Habt ihr mal euer Smartphone in die Hand genommen und bewusst auf den ausgeschalteten Bildschirm geschaut? Was seht ihr?  — Ein gespiegeltes Bild eurer selbst in einem schwarzen Viereck. Das ist der berühmte Black Mirror, den Charlie Brooker im Sinn hatte, als er sich den Namen für seine ultimativ verstörende, aber extrem spannende und gut gemachte Serie ausdachte.

Das Smartphone als Inbegriff eines Weltenwandels, der so kommen könnte wie man es in jeder der Black Mirror Folgen sehen kann. Utopie oder Dystopie? Es läuft daraus hinaus, wie wir uns entscheiden. Wollen wir mitfühlende, aufgeschlossene, vernunftbegabte Wesen sein? Oder entwickeln wir uns weiterhin zu einer hirnlosen Masse dumpf konsumierender, egoistischer Menschen ohne Ziel, ohne Verstand? Es hängt von uns ab und Black Mirror möchte uns das bewusst machen, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und zum Nachdenken anregen. Ohne dabei langweilig oder dröge zu wirken. Und das tröstet:

Auf dem Weg in den Abgrund werden wir wenigstens gut unterhalten! 😉

Das arme Schwein in Episode 1. Wenigstens einem hat das Ganze genutzt.

Wir bleiben positiv

Schon direkt einleitend stellt Tim die Serie als eine der Großartigsten der heutigen Zeit vor. (Schon wieder, nach Rick and Morty ^^) Man muss sie gesehen haben. Abbrechen, aus Schock, bereits in der ersten Episode, würde der Sache einfach nicht gerecht. Würde einem doch vieles entgehen..

So geschehen ist es Sabine Heinrich, ihres Zeichens (von Tim hochverehrte) Moderatorin bei WDR 2, die bei Facebook nach einer Serienempfehlungen fragte. Black Mirror wurde ihr empfohlen, hinein hat sie geschaut und kurz darauf mitgeteilt, dass sie diese Serie wirklich nicht mehr weiterschauen kann. 😉

Neugierig geworden was Frau Heinrich dermaßen schockiert hat? Das ist nachvollziehbar, wir haben Staffel 1 und 2 und teilweise Staffel 3 gesehen und besprechen in guter Stimmung die ersten Folgen aus Staffel 1 um für euch die Stimmung der Serie zu transportieren und natürlich auch aufzuklären, was es mit dem viel zitierten Schwein auf sich hat, von dem im Zusammenhang mit Black Mirror so oft zu hören ist.

The national anthem – Der Wille des Volkes

Der Premierminister von England wird erpresst. Das Leben einer populären Prinzessin wird bedroht. Ihre einzige Rettung: Der Premierminister soll vor laufender Kamera auf allen Fernsehsendern live Sex mit einem Schwein haben.

Die Situation erschüttert natürlich die Welt. Anfängliches Mitleid mit dem Premier schlägt in der großen Masse allerdings schnell um in faszinierten Ekel bzw. dem unterschwelligen Wunsch einen Menschen erniedrigt zu sehen.

Entsetzte Faszination – Das Volk schaut zu.

Hin und hergerissen waren wir auch beim Verfolgen der Handlung. Der Entführer wird gejagt, man denkt, das wird niemals so ausgehen, dass in dieser Serie der britische Premierminister gezeigt wird wie er es mit einem Schwein treibt. Felo hält ihn eher für den normalen Typen, der versucht aus einer unglücklichen Situation das Beste zu machen, Oli und Tim vertreten eher die Meinung, dass hier ein Machtmensch agiert, der versucht seine Position und seinen Machtanspruch zu verteidigen. Letztendlich ist es ihm wohl egal wie die Sache ausgeht, solange er nicht ran muss.

Neben der spannenden Handlung hat die Episode auch medienkünstlerisch einiges zu bieten. Menschenleere Londoner Strassen und Brücken und spannende Kameraperspektiven machen Spaß.

Zu erleben wie sich Medien und Menschen immer mehr von ihrer Moral verabschieden um am Ende eigentlich diejenigen zu sein, die man als Schweine bezeichnen könnte, das wird wohl ein wichtiges Fazit dieser Episode sein.

Fifteen Million Merits – Das Leben als Spiel

Taxierender Blick – Das Jurymitglied bewertete Abis Performance. Muss sie zurück auf das Fahrrad?

Er wacht auf in einer kargen Zelle, die sein Zuhause ist. Auf gefühlten 2x2m, umgeben von Fernsehbildschirmen lebt Bing für das Strampeln auf dem Energieerzeugenden Heimtrainer. Dieses Schicksal teilt er mit dem großen Teil der restlichen Zukunftsgesellschaft. Man strampelt für Credits und die gibt man aus für Tand und sinnlosen Kram. Er denkt nicht weiter drüber nach, lebt, arbeitet, konsumiert. Bis ihm eines Tages Abi begegnet, die eine wunderschöne Stimme besitzt und den Traum hat bei der berühmten Castingshow Hot Shots aufzutreten. Dort werden Menschen in die Unterhaltungsmaschinerie gepresst um am Ende zwar nicht mehr zu strampeln aber den Status quo der sinnleeren Gesellschaft aufrecht zu erhalten.

Uns hat das erschreckende Sinnvakuum dieser Zukunftsvision erschreckt. Nicht nur, dass Bing im Hamsterrad seiner gesellschaftlichen Stellung gefangen ist – auch nachdem er scheinbar daraus entkommt – die Prioritäten und der Sinn des Lebens scheinen schlicht verloren gegangen zu sein. Menschen als bloße Ressourcen ohne Anspruch auf Schönheit, Kultur, Kunst – das bloße Konsumieren und Abwarten bis die Lebenszeit verstrichen ist, bringt uns ans Nachdenken wie weit wir heute schon sind.

Sicherlich werden es nicht die Spinningkurse in den Fitnessstudios sein, die diese düstere Vision vorantreiben, auch wenn Felo steif und fest behauptet, in seinem Fitnessstudio würde die Unterhaltungselektronik bereits von den Ergometern der Trainierenden betrieben. 😉 Dass man für Geld Werbung überspringen kann ist heute bereits Fakt und dass das Individuum nur ein Schräubchen ist, dass die gesellschaftliche Maschine am Laufen hält, die gefühlt nicht mehr für ihn sondern durch ihn funktioniert,  denken auch immer mehr Menschen.

Wenn euch unser Cast Lust macht, Black Mirror zu schauen, haben wir unser Ziel erreicht. Gute Unterhaltung!

Verlinkt aus dem Cast

www.whocast.de – Der Deutsche Doctor Who Podcast

The Big Lebowsky

www.sabineheinrich.de

Mehr über Charlie Brooker

Black Mirror könnt ihr aktuell übrigens auf Netflix sehen.


Mit Inhalten von Zeppotron/Endemol/Channel 4, Irma Thomas


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